26. Oktober 2015

Zwanzig Jahre
 
Das Leben ist kurz, ich muss die Zeit nutzen. Der Älteste war am Wochenende bei Spusi. Also hing ich die ganze Zeit dort herum, weil die Zeit, die ich mit ihm verbringen kann, plötzlich kostbar geworden ist. In der Kindererziehung heißt es ja, es komme nicht darauf an, wieviel Zeit man mit einem Kind verbringe, sondern wie man diese Zeit gestalte. Das gilt immer im Kontakt mit anderen, merke ich gerade. Ich weiß, das gilt dann auch für Arbeit und alles andere, und eigentlich ist es Quatsch, nach Zeit zu bezahlen, weil man dann das Geld nicht dafür bekommt, was man macht, sondern dafür, dass man nichts anderes macht, also im Zweifelsfall dafür, dass man seine Lebenszeit verstreichen lässt.

Und da ist er wieder, der Tod.

Ich lernte etwas über mathematische Logik und staunte darüber, welch spießigen Nachwuchs ich hervorgebracht habe. Sein Mitbewohner geht mit Straßenschuhen ins Bad, obwohl sie da wegen der Kälte Flauschteppiche hingelegt haben. Ich fände das auch doof, aber ich bin über fünfzig. Mit neunzehn geht man selber mit Straßenschuhen ins Bad, furzt beim Essen und lässt seine Sachen überall liegen. Und in der Küche, sagt er, ist ein Schrank nicht in Ordnung. Deswegen will er sich bei der Vermieterin beschweren. Andererseits kann man so etwas nicht früh genug lernen, das gebe ich zu.

Ich weiß nicht mehr, wie die Rede darauf kam, was in zwanzig Jahren sei. Ich denke darüber nicht gern nach. In zwanzig Jahren bin ich aller Wahrscheinlichkeit nach noch munter dabei, aber in zwanzig Jahren ist das Leben meines Ältesten nach derselben Wahrscheinlichkeit fast halb rum. Hoffentlich sieht er das anders.

 

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