29. Oktober 2007

Wieviel Lohn ist gerecht?
 
Wieviel Lohn muss man in Deutschland mindestens zahlen? Halt - die erste Frage lautet: Warum sollte ein Arbeitgeber überhaupt Lohn zahlen?

Normalerweise bietet ein Arbeitgeber Lohn dafür an, dass jemand bereit ist, die Arbeit zu machen. Unter dem gegenwärtigen Sozialversicherungsregime funktioniert das aber nicht mehr durchwegs. Wer länger ohne Arbeit ist, bekommt seinen Lebensunterhalt mehr schlecht als recht bezahlt und muss dafür angebotene Arbeit auf (fast) jeden Fall annehmen. Er kann nicht über den Lohn verhandeln, denn das wäre eine Drohung, die Arbeit nicht anzunehmen, was wiederum hieße, der Sozialzahlungen verlustig zu gehen. Aber er braucht auch nicht über den Lohn zu verhandeln, denn wenn er sich durch die Arbeit finanziell besser stellt, ist es ja gut, wenn er sich aber schlechter stellt, hilft ihm die öffentliche Hand aus. Warum sollte ein Arbeitgeber dann überhaupt Lohn zahlen?

Hinter dem gegenwärtigen Sozialregime steckt der Grundsatz: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Das stammt von Luther und wird dort durch die Empfehlung ergänzt, wer Hunger habe, solle ein Stück Land bestellen. Dabei gab es schon zu Luthers Zeiten kein urbares Land, das niemandem gehörte. Wer also Luthers Rat befolgt hätte, wäre bloß bestraft worden. Damals war die Todesstrafe für solche Delikte nicht unüblich, hat aber in jedem Fall immerhin den Hunger beendet.

Hielte man sich streng an Luther, würde man die Sozialgeldempfänger grundsätzlich zur Arbeit verpflichten. Da es offensichtlich nicht genug Arbeit für alle gibt, müsste man Arbeitgebern Geld für Arbeitsplätze geben, statt Lohn von ihnen zu verlangen. Bezahlen tuts natürlich der Staat.

Warum ist es aber so wichtig, dass alle Arbeit haben? Damit alle von ihrem eigenen Geld leben können, klar. Jahrhundertelang haben wir davon geträumt, nicht mehr arbeiten zu müssen. Jetzt soll es uns nicht recht sein.

In einer gesunden Gemeinschaft teilt man sich die Arbeit auf, die gemacht werden muss, und sieht dann zu, dass es allen gut geht. Unsere Gemeinschaft scheint dagegen alles andere als gesund, falls es überhaupt eine Gemeinschaft ist. Einige arbeiten immer mehr, andere arbeiten gar nicht, und viel dringende Arbeit, vor allem in der Bildung sowie in der Alten- und Krankenpflege, wird nicht getan. Das ist meines Erachtens das eigentliche Problem, und niemand versucht, es zu lösen.

 

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