6. Februar 2015

Starke Frauen
 
Es ist wieder Berlinale, die überbewertete Feier einer überschätzten Kunstgattung in einer überheblichen Stadt. Ihr Thema dieses Jahr, laut Festivalleiter: "Starke Frauen".

Eigentlich wäre ich hier schon fertig. Wie irre dieses Thema ist, springt einem ja ins Auge. Das Gespräch am Frühstückstisch lehrte mich aber etwas anderes.

Ich bin vielleicht zu naïv, wenn ich denke, das "schwache Geschlecht" hätte längst ausgedient, und zwar nicht nur in Alltagsvorurteilen, sondern auch im Kino. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mit den Filmen, die auf Festivals laufen, nicht viel zu tun habe. Vielleicht ist der ästhetisch avancierte Film ja gesellschaftlich rückständig.

Als ich viel ins Kino ging, vor drei Jahrzehnten also, sah ich Filme wie Alien, in dem eine Astronautin als letzte Überlebende mit einem Ungeheuer kämpft, Flashdance, in dem eine Schweißerin sich als Tänzerin versucht, oder Terminator, in dem eine Kellnerin die Zukunft der Menschheit gegen einen Kampfroboter verteidigt. Am besten gefiel mir Straßen in Flammen, in dem es zwar um Jungs und Gang-Rivalitäten ging, aber auch eine ehemalige Soldatin mit lockeren Fäusten vorkam, die "alles" reparieren und fahren konnte. Neulich sah ich im Internet Der Komet, in dem eine Schülerin zur Verteidigung gegen Zombies mit ihrer Schwester das Schießen übt und praktiziert, während ihr männlicher Gegenpart auch mit Waffe wehrlos ist.

Ich weiß, in den meisten Filmen liefen auch damals, wie vordem, die Frauen hinter Männern her und kreischten. Aber seitdem ist viel Zeit vergangen, sind wir gesellschaftlich vorangekommen, und da müsste sich doch jener Trend auf der Leinwand durchgesetzt haben. Oder?

Die oben genannten Filme sind zwischen 1979 und 1984 erschienen. 1985 kam Tomboy, in dem eine Kfz-Mechanikerin mit einem selbstgebauten Motor ein Rennen gewinnt. Das Wort "tomboy" bezeichnet ein jungenhaftes Mädchen, was auch immer das ist. Im ganzen Film muss sich die Protagonistin gegen Vorurteile wehren, als wäre es etwas ganz Neues, dass Frauen tun, was sie tut. Wie gesagt, dieser Film ist nicht vor den anderen erschienen, sondern danach. Zeigte sich da ein erstes Zurückdrehen der Uhr? Wie spät ist es heute? Ich müsste mal wieder ins Kino gehen.

Der avantgardistische Film ist aber ja ganz anders als Hollywood. Er zeigt Die bitteren Tränen der Petra von Kant in ihrem vollen Realismus. Da ist vielleicht kein Platz für Träume vom gesellschaftlichen Fortschritt, selbst wenn er bereits im Gange ist. Da muss dann ein Mann, der natürlich Chef ist, den Frauen, die dem Bild, das er sich gemacht hat, nicht entsprechen, eine Nische zuweisen und diese als etwas besonders Großartiges anpreisen.

 

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