18. Oktober 2013

Zum Scheitern zu groß
 
Am Beginn der jüngsten Finanzkrise hieß es über eine ganze Reihe von Banken, sie dürften nicht Konkurs machen, weil das bei ihrer Größe unabsehbare Schäden für die Volkswirtschaften nach sich zöge. Ich war nicht allein mit dem Gedanken, dass solche Banken zerschlagen werden müssen. Die Pleite, die Möglichkeit des kompletten Scheiterns, gehört ja zum Kapitalismus. Wenn ein geschäftliches Wagnis kein Wagnis mehr ist, fehlt diesem System der wesentliche Steuerungsmechanismus. Dann kann ich zweihundert Prozent Rendite im Monat versprechen, mit den mir anvertrauten Milliarden abhauen, etwa auf die Kanalinseln, und darauf vertrauen, dass meine Investoren die zweihundert Prozent vom Staat bekommen. Staatspleite in zehn Minuten.

Ich bin also nicht für die Verstaatlichung, sondern für die Zerschlagung der Banken in wesentlich kleinere Einheiten. Natürlich hätte dann keine Bank mehr die Mittel, dem Papst seine Kreuzzüge zu finanzieren. Das wäre für mich kein Problem.

Bei der Großen Bankenteilung könnte man gleichzeitig die Bücher um die Staatsschulden bereinigen, damit die öffentlichen Haushalte mehr als ausgleichen, dringend benötigte Infrastruktur aus- und aufbauen – Arbeitskräfte sind genug da, wenn nicht hier, dann in Syrien – und die Steuern senken. Mir wird ganz kribbelig, wenn ich an den dann plötzlich ausbrechenden Reichtum denke.

So wird es aber nicht gemacht. Stattdessen geht ein Staat, der ein Viertel der Weltwirtschaft vertritt, beinahe in Konkurs, was noch viel schwerere Folgen für die Welt hätte als eine schlichte Bankenpleite. Mehr noch als diese sind die USA zum Scheitern zu groß. Sie können aber auch nicht mit staatlichem Geld vor dem Konkurs bewahrt werden, denn das ist ja alle. Es sei denn, es wäre nicht das eigene staatliche Geld, sondern unseres oder das Chinas. Als Bürgschaft würde China Kalifornien erhalten und wir Wisconsin oder Pennsylvania. Hier bestünde aber tatsächlich das Risiko, dass das Geld für immer verschwände. Besser wäre es, die USA aufzuteilen.

Hier mein Vorschlag für fünf etwa gleichstarke Staaten:

1. Kalifornien mit der gesamten Westküste, Hawai’i, Alaska und Nevada (Computer, Surfen, Gesundheit, Glücksspiel);

2. Texas mit allem anderen westlich des Missouri bzw. des 95 Längengrads (Rinder, Indianer, Mormonen, Öl);

3. Dixie ohne Texas, Oklahoma und Louisiana, aber mit Kentucky, West Virginia, Maryland und Delaware (Kohle, Gottesfurcht, Countrymusik, Brause);

4. Neuengland mit New York, New Jersey und Puerto Rico (Geld, Distinktion, Liberalität, Maschinen);

5. Rostland mit dem Restland außer Louisiana (Weizen, Mennoniten, Techno, Autos).

Louisiana (Fisch, Karneval, Nostalgie) würde selbständig oder käme zurück an Kanada.

Für die jetzigen USA hätte eine Aufteilung zahlreiche Vorteile. Man könnte fünfmal soviele SportlerInnen zu Olympia entsenden, fünf Sitze bei der UNO besetzen und einen gemeinsamen Investitionspakt beschließen, um es auch in den jetzigen USA ansässigen Unternehmen zu ermöglichen, jegliche fortschrittliche Gesetzgebung im Land zu blockieren.

 

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